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Thorichthys - und bloß kein Streß (Aquaristik aktuell, 5/1997 / Seite 06-10)

 

 


Die Thorichthys-Gruppe umfaßt derzeit acht mittelamerikanische Buntbarsche, die sich mit einigen Schlagworten grob charakterisieren lassen: Relativ geringe Größe, schwach ausgeprägtes Aggressionsverhalten und dementsprechend geringes Durchsetzungsvermögen gegenüber den typischen mittelamerikanischen Großbuntbarschen, ansprechende Färbungen, geringe Neigung zum Wühlen und rege Laichbereitschaft fast das ganze Jahr über. Insgesamt Cichliden, die dem Pfleger eigentlich keine Probleme bereiten dürften. Nicht einmal besonders große Aquarien wären für die kleinen bunten Kerle nötig, trotzdem sind sie fast allesamt nach ihrem Boom in den achtizer Jahren verschwunden.
Zunächst möchte ich die verschiedenen Arten und ihr natürliches Verbreitungsgebiet noch einmal angeben, da sich durch die Angaben von reisenden Aquarianern die Vorkommensgebiete jetzt besser umreißen lassen als vor einigen Jahren. Das Gesamtverbreitungsgebiet reicht vom Süden von Veracruz in Mexiko über ganz Belize bis hin nach Südostguatemala und Nordwesthonduras. Weder weiter nördlich in Mexiko nach südlicher in Mittelamerika kommen Thorichthys vor. Thorichthys-Arten finden sich sowohl in kristallklaren, schnellfließenden Bächen und Flüssen als auch in trüben, stark erwärmten Restwassertümpeln und Viehtränken.

Der wohl bekannteste Vertreter Thorichthys meeki (Brind, 1918) dürfte keinem Aquarianer unbekannt sein, zudem ist diese Art die am längsten Bekannte bei uns. Allerdings hat der Feuermaulbuntbarsch - so die deutsche Bezeichnung - heutzutage im Zoohandel nicht mehr viel gemeinsam mit seinen Verwandten in der Heimat. Fast ausnahmslos stammen alle Tiere aus asiatischen Teichnachzuchten, die über jahrelange Inzucht sehr viel von ihrer ursprünglichen Farbenpracht und Körperform eingebüßt haben. Fast immer gelangen nur männliche Tiere davon in den Handel.
Thorichthys meeki ist der einzige Vertreter dieser Gruppe, der auf großen Teilen der Halbinsel Yucatan beheimatet ist. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Tabasco (Macuspana, Ciudad Pemex) und Campeche (Rio Candelaria Einzugsgebiet) über ganz Yucatan hinunter nach Nordguatemala und Belize, wo die Art etwa auf Höhe von Punta Gorda von der nächsten Thorichthys-Art abgelöst wird.
Th. meeki besitzt im Vergleich zu den anderen Thorichthys-Arten ein sehr großes Verbreitungsgebiet, verglichen mit anderen Mittelamerikanern, z.B. Vieja maculicauda, erscheint es jedoch winzig. Nicht immer findet sich Th. meeki als einzige Thorichthys-Art in seinen Biotopen vor, sowohl in Flüssen als auch in stehenden Gewässern gibt es ein sympatrisches Vorkommen mit Th. helleri (Steindachner, 1964) und Th. pasione (Rivas, 1962).

 

Lange wurde darum gerätselt, welcher Th. aureus (Günther, 1862) nun der Richtige sei. Zuerst tauchte eine blaue Form auf, dann gelangte eine goldene Variante in Umlauf, auf die der Name (lat.aureus = golden) besser gepaßt hätte, schließlich sprach man von einer dritten Farbform. Mittlerweile wissen wir, daß der zuerst eingeführte, blaue Cichlide der echte Th. aureus ist und die goldenen Tiere zu Th. helleri gehören. Dieser Buntbarsch, der in Belize Th. meeki ablöst, ist für mich persönlich der schönste Thorichthys. Ab dem Gebiet Golden Creek/Moho River in Belize findet sich die Art weiter im Süden in Guatemala (Rio Sarstun, Lago de Yzabal, Rio Motagua Gebiet, etc.) und dringt vor bis in den Norden von Honduras. Von verschiedenen Autoren wurde behauptet, daß die Art auch in Südostmexiko zu finden sei. Ich selbst konnte die Art in diesem Gebiet nicht finden, mir ist auch kein weiterer Aquarianer näher bekannt, der dort die Art fing. Selbst Miller widerlegt 1976 seine 1966 aufgestellte Behauptung, daß Th. aureus auch in der atlantischen Abdachung Mexikos beheimatet ist.

Thorichthys helleri wurde bereits von mir erwähnt. Nach den heutigen Wissensstand dürfte diese Art das größte Verbreitungsgebiet der gesamten Gruppe haben. Vom Coatzacoalcos-System in der Isthmus-Region über das riesige Einzugsgebiet des Usumacinta bis hin zum Rio Champoton ist die Art in Mexiko beheimatet. Über das linksseitige Einzugsgebiet des Usumacinta ist die Art auch im Guatemala anzutreffen, in Belize jedoch fehlt sie. Durch dieses, für Thorichthys-Arten, riesige Verbreitungsgebiet konnten sich allerlei verschiedene Farbformen entwickeln. Relativ groß werdende Populationen finden wir im Rio Candelaria, die goldglänzend mit hellroter Färbung imponieren; kleiner bleiben die Exemplare aus der Palenque-Region des Rio Chacamax (fälschlicherweise als Rio Notutun bezeichnet), Rio Chocolja (fälschlicherweise als Rio Corzo bezeichnet) und weiteren Tulija-Zuflüssen, die mehr Blautöne aufzeigen.

 

Ganz in der Nähe finden wir Th. socolofi (Miller & Taylor, 1984). Von Palenque sind es nur etwa 25 Kilometer bis zum Wasserfall des Misol-Ha. Dieses kleine Flußbiotop gehört zum System des Rio Tulija und es kann als sicher gelten, daß Th. socolofi nur in diesem, engumgrenzten Gebiet vorkommt, wobei die Art die breiten, schnellströmenden oder tiefen Zonen meidet. Unterhalb des Wasserfalls vom Misol-Ha läßt sich die Art leicht in den beruhigten, holzreichen Uferzonen ausmachen. Die großen, eingebundenen Felsen schaffen hier je nach Wasserstand sogar gänzlich abgeschnittene Randzonen, welche erst beim nächsten starken Regenfall wieder Verbindung zum eigentlichen Fluß bekommen. Der Wasserfall des Misol-Ha bietet eine wildromantische Kulisse für den "Normaltouristen", der Cichlideninteressierte sollte wissen, daß sich im Feuchtbiotop dieses Naturparks auch Schlangen wohl fühlen, ob giftig oder nicht, konnte ich bislang nicht feststellen.
Im Rio Chamula, einem weiteren Tulija-Zufluß, konnte ich ebenfalls Th. socolofi feststellen, nie jedoch im Rio Tulija selbst. Im Aquarium fiel mir auf, daß die orangerote Färbung der Männchen mit zunehmenden Alter immer intensiver und dunkler wird. Verglichen mit anderen Thorichthys-Arten, scheint Th. socolofi eine recht geringe Lebenserwartung haben. Nach zwei bis drei Jahren stellte sich die Laichbereitschaft ein, kurze Zeit später verstarben die Tiere nach und nach, ohne äußeres Anzeichen auf Unwohlsein oder eine Krankheit.

 

Th. pasione verdankt seinen Namen nicht - wie die oben genannten Arten - einer Person (Karl Heller, Seth Eugene Meek, Ross Socolof), sondern seinem Vorkommensgebiet in Guatemala, dem Rio de la Pasion. Darüberhinaus findet sich die Art in Mexiko im Usumacinta-Gebiet und in der Laguna Noh als vielleicht südöstlichste Ecke. Wir fingen Th. pasione im linksseitigen Usumacinta-Überschwemmungsgebiet zwischen Catazaja und Macuspana. In stehenden, stark erwärmten Viehtränken und Restwassertümpeln kam die Art immer sympatrisch mit Th. meeki vor, wobei sich diese Angaben nicht unbedingt auf ein rein natürliches Verbreitungsgebiet beziehen. Durch Bewässerungsgräben, Viehtränken und ähnliches wurden links und rechts des mächtigen Rio Usumacinta neue Lebensräume geschaffen. Auch gerade durch den bewußten Eingriff des Menschen geht unbewußt die Evolution voran. Hierzu ein paar Worte zur Anpassungsfähigkeit unserer Cichliden: In einem knietiefen, 33 Grad Celsius warmen Tümpel fanden wir nicht weniger als 9 Cichlidenarten und wenigstens 3 Arten von Lebendgebärenden. Natürlich charakterisieren diese extremen Lebensbedingungen nicht den Lebensraum das ganze Jahr hindurch über, vielmehr zeigt es uns, was die Tiere kurzzeitig tolerieren müssen, um überleben zu können. Leider müssen unsere Pfleglinge auch allzu oft diese Toleranz gegenüber Extrema in den Aquarien vieler Händler und "Liebhaber" beweisen, meist werden die Tiere dennoch "totgepflegt", da es sich dort nicht um ein saisonales Ereignis handelt, sondern die schlechten Bedingungen Dauerzustand sind.

 

Im natürlichen Lebensraum verwechselt habe ich Th. affine (Günther, 1862) mit Th. meeki. Beim Schnorcheln in der Laguna Bacalar hielt ich die relativ langgestreckten, farblosen Cichliden zunächst für Th. meeki. Einige mitgebrachte Jungfische hegten nach einiger Zeit doch erhebliche Zweifel bei mir, da die Tiere immer weniger Gemeinsamkeiten mit Th. meeki aufzuzeigen scheinten. Erstaunlicherweise ist die Typuslokalität von Th. affine der Petensee in Guatemala. Auch aus dem Petensee stammt das Typusmaterial für Vieja melanura. Daher verblüffte es mich umso mehr, daß beide Arten sympatrisch im Petensee und in der Laguna Bacalar vorkommen, während ich im "geographischen Zwischenraum", in Belize, nie diese Entdeckung machte. Mittlerweile sind bei meinen Vieja die letzten Zweifel ausgeräumt, die 1994 gefangenen Tiere aus der Laguna Bacalar sind V. melanura und nicht V. synspilus, wie manchmal von verschiedenen Stellen vermutet wurde. Leider können diese Cichliden an Farbenpracht mit ihren Artgenossen aus Guatemala nicht mithalten, dagegen sehen sie richtig unscheinbar aus.
Es ist schon recht erstaunlich, warum sich gerade in zwei völlig unterschiedlichen Biotopen, die zudem mit rund 240 Kilometer Distanz eine relativ große Entfernung voneinander aufweisen, gleiche Arten wiederfinden, obwohl sie in den Lebensräumen, die dazwischen liegen, nicht oder kaum aufzufinden sind. Der Grund dafür ist mir unbekannt und es steht mir fern, hier irgendwelche Erklärungen womöglich mittels haarsträubender Evolutionstheorien aufzustellen. Nebenbei muß erwähnt werden, daß die Laguna Bacalar das nördlichste und somit einzig mexikanische Verbreitungsgebiet von Archocentrus spilurus darstellt.

 

Das Vorkommensgebiet von Thorichthys ellioti (Meek, 1904) beschränkt sich auf die atlantische Abdachung Mexikos im Golfbereich um Veracruz. Der Aquarianer kennt diese Region als Papaloapan-Becken (Rio Papaloapan, Rio Panoaya, Rio Tonto, etc.). Ich fand die Tiere auch im Catemaco-See, südlich von Veracruz. Trotz der Übermacht der dort ausgesetzten Tilapien finden sich in völlig faunenverfälschten Lebensräumen, wie z.B. in diesem See, glücklicherweise noch Exemplare von Th. ellioti. Während die sympatrisch lebenden V. fenestratus durch die Dominanz der ostafrikanischen Maulbrüter bereits erhebliche Degenerationserscheinungen (Zwergwuchs, etc.) aufzeigen und immer weiter in die Zuflüsse zum Catemaco-See abgedrängt werden, konnte ich desgleichen (noch) nicht bei Th. ellioti feststellen. Vermutlich hat die Art in einer Nische eine Chance zum Überleben.
Th. ellioti kommt in ähnlich vielen Farbvariationen wie Th. helleri vor. Es gibt Tiere, bei denen Blau- und Gelbtöne überwiegen, während andere deutlich zu orangerot bis rosa tendieren. Im Handel kommt es bei jüngeren Tieren gelegentlich zu Verwechslungen zwischen Th. ellioti und Th. helleri.

 

Als letzten Thorichthys möchte ich Th. callolepis (Regan, 1904) vorstellen. Aquaristisch scheint die Art noch immer relativ unbekannt zu sein, nur sehr wenige Aquarianer pflegten bislang Tiere von Th. callolepis und lediglich ein paar konnten die Art auf Dauer halten und nachzüchten. Als Unterscheidungsmerkmal zu allen anderen Thorichthys kann der Kiemendeckelfleck herangezogen werden. Während die sieben oben genannten Arten alle dieses Merkmal besitzen, läßt sich bei Th. callolepis dieser Fleck höchstens nur erahnen, gelegentlich ist er ganz schwach vorhanden.
Th. callolepis scheint, ebenso wie Th. socolofi, ein sehr kleines Verbreitungsgebiet zu besitzen. Sicher ist, daß die Art im Isthmusgebiet, südlich des Ortes Matias Romero im Rio Almoloya vorkommt. Inwieweit Th. callolepis auch in anderen Rio Coatzacoalcos-Zuflüssen vorkommt, kann ich nicht beurteilen. Fest steht, daß sich die Art als sehr heikler und empfindlicher Pflegling erwiesen hat.

 

Garbe erwähnte 1994 (DCG-Informationen 11/94) zwei Thorichthys-Varianten aus Mexiko (Rio Chocolja) und Guatemala (Rio Subin), die von den bislang genannten doch zum Teil erheblich abweichen. 1992 konnte ich zusammen mit Frank Angermann im Chocolja neben Th. helleri ebenfalls einen der oben genannten Cichliden ausmachen, während ich im Dezember 1996 nach langer Suche doch nur auf Th. helleri stieß. Ebenfalls 1992 fingen wir im Staate Tabasco zwei Tiere einer unbekannten Thorichtys-Form, die mit keiner bislang bekannten Art übereinstimmt. Auch aus dem Formenkreis um Th. ellioti werden immer wieder neue Varianten vorgestellt, schnell entstehen neue Artbezechnungen, ohne wissenschaftlich fundiert zu sein. Es ist erstaunlich, daß vielfach im gleichen Gewässer eine "gute", bekannte Art und eine davon abweichende, aber doch zum Teil sehr ähnliche Variante/Unterart/Farbform anzutreffen ist. Nun will ich nicht befürworten, daß sofort bei den geringsten Unterschieden eine neue Art beschrieben wird, aber wenn im gleichen Lebensraum die geschilderte Situation auftritt und zudem keine Hybridisierung feststellbar ist, dann sehen wir deutlich, was die Evolution hervorbringt. Bessere Beispiele als die Thorichthys liefern die Vieja-Arten. Vor allem V. synspilus, V. bifasciata und V. guttulata sind mitunter so variabel, daß wirklich gute Zweifel angebracht sind, wo eine Farbform endet und wo eine andere Art beginnt.

 

Warum gerade Thorichtys-Arten so anfällig zu sein scheinen, darauf will ich jetzt näher eingehen. Die Problematik ist eigentlich fast immer gleich. Die Tiere werden in ein Aquarium gesetzt, wachsen und gedeihen eine Zeitlang, plötzlich verringert sich ihr Appetit, die Farben hellen sich auf und der Kot wird weiß oder glasig dünn. Bereits bei diesem Zustand ist in den meisten Fällen keine Behandlung mehr möglich. Einige Tage können die Tiere noch überleben, irgendwann bläht sich der Bauch trotz der Abmagerung noch einmal auf, dann verenden die Tiere. Dies geschieht nicht seuchenartig, wie wir es bei einigen Krankheiten kennen, sondern normalerweise immer sukzessive, d.h. ein Tier nach dem anderen, bis eines Tages der gesamte Bestand weg ist. Mehrmals machte ich diese schmerzliche Erfahrung, sowohl mit selbstgefangenen Wildfängen als auch mit Nachzuchttieren. Wieder einmal kann man das Wildfangmärchen, welches des öfteren von Liebhabern afrikanischer und amerikanischer Buntbarsche angesprochen wurde, bestätigen: Nachzuchten sind meist robuster und weniger anfällig, trotzdem gilt für die Thorichthys das oben Gesagte analog.
Bei allen meinen Thorichthys hatte ich zunächst, wie es scheint, guten Erfolg. Die meist als winzige Jungfische gefangenen Tiere zeigten sich sehr robust. Tägliche, fast 100-prozentige Wasserwechsel, Temperaturschwankungen von ca. 33 Grad Celsius im Mietwagen bis hinunter zu 20 Grad am Boden des Hotelzimmers wurden problemlos toleriert. Wenn die Tiere den langen Transport über den großen Teich ohne Verluste hinnahmen, dann möchte man meinen, nichts könnte ihnen etwas anhaben. Die Bedingungen zur Haltung im Aquarium waren auf jeden Fall besser als die Zwischenhälterung oder gar in manchem Restwassertümpel.
Die Thorichthys wuchsen und gediehen in meinen Aquarien, vermehrten sich mehr, als mir lieb war und eines Tages kehrte sich der Anfangserfolg um und die Probleme hörten nicht auf. Natürlich versucht man, mit allen bekannten und unbekannten Medikamenten eine Heilung herbeizuwünschen. Meist werden durch die Chemikalien die Tiere noch mehr geschwächt ohne jeglichen Erfolg auf Besserung. Profitiert hatten von meinen Versuchen immer nur die Zoohändler und mein Apotheker um die Ecke. Die gutgemeinten Ratschläge vieler Aquarienfreunde reichten von Flubenol und Metronidazol über Temperaturerhöhungen auf 35 Grad Celsius oder entsprechende Absenkungen bis hin zu 1000 g Kochsalz auf 100 Liter Wasser. Nun behaupte ich, daß dies alles nichts nützen kann, wenn keine Krankheit im eigentlichen Sinne vorliegt. Meine Erachtens sind einzig und allein die Hälterunsbedingungen ausschlaggebend, ob bei der Pflege der Thorichtys-Arten Freude oder Tränen auftreten können. Wie bereits mehrfach erwähnt - Garbe berichtete in den DCG-Info 10/95 ausführlich darüber - gibt es geradezu ein Muß für die erfolgreiche Pflege der kleinen Schönheiten aus Mittelamerika: Finger Weg von der Vergesellschaftung mit anderen Buntbarschen! Einmal in ein Aquarium eingesetzt, sollen die Thorichthys keinesfalls umgesetzt werden, wenn sie die kritische Größe von rund 3 cm erreicht haben. Das bedeutet folglich, daß erwachsene Thorichthys (degenerierte Asien-Nachzuchten von Th. meeki vielleicht ausgenommen) nicht mehr gehandelt werden sollten. Sicherlich ist dies schwer durchzusetzen.
Deshalb will ich die oben erwähnte Nicht-Vergesellschaftung näher ansprechen. Thorichthys-Arten kommen im natürlichen Lebensraum stets in Gesellschaft mit anderen Cichliden vor. Trotzdem rate ich ganz bewußt davon im Aquarium ab, will man die Tiere längerfristig pflegen.

 

Betrachten wir die als noch immer heikel angesehenen Symphysodon-Arten, dann läßt sich der Vergleich nachvollziehen. Obwohl Diskusfische an sich sehr robuste Tiere sind, besitzen sie so gut wie keine Streßtoleranz gegenüber andersartigen Buntbarschen. Gleiches gilt für unsere Thorichthys. RobusteTiere, die bezüglich Wasserqualität sehr anspruchslos gelten, sich in der Natur bei der Brutpflege auch gegenüber größeren und agressiveren Arten durchsetzen können. Fehlt im Aquarium die natürliche Fluchtdistanz und ist bedingt durch die Vergesellschaftung Streß ein permanenter äußerer Einflußfaktor, dann wird man wenig Freude mit ihnen haben. Erst der Streß schädigt sozusagen das natürliche Immunsystem, sich ohnehin in jedem Aquarium befindliche Bakterien lösen den beschriebenen "Krankheitsverlauf" aus. Kein HIV-positver Mensch stirbt an AIDS. Eine normale Erkältung z.B. wird vom geschwächten Immunsystem nicht mehr verkraftet, der Verfall ist absehbar. Nun mag der Vergleich vielleicht hinken, betrachtet man jedoch über Jahre hinweg die Erfolge und Mißerfolge bei der Pflege von Thorichthys-Arten, dann versteht man dies eher.
Derzeit habe ich 15 Th. aureus bei einem Freund untergebracht. Die Tiere sind vergesellschaftet mit Lebendgebärenden und Welsen in einen 400-Liter-Aquarium. Andere Buntbarsche fehlen komplett. Obwohl kein besonderer Aufwand bezüglich Wasserwechsel betrieben wird, sind die Tiere völlig gesund und stehen hervorragend.
Auf diese Weise lassen sich auch große und erwachsene Tiere problemlos umsetzen, wenn sich im neuen Lebensraum anfangs zumindest kein weiterer Fisch befindet. Nach und nach können Welse und andere Beifische zugesetzt werden. Von Cichliden, auch wenn es unscheinbare, friedliche Zwergbuntbarsche sein sind, sollte man die Finger lassen. Auch ist die Vergesellschaftung untereinander oft problematisch, da eine Thorichthys-Art über kurz oder lang die Oberhand gewinnt und die andere dem entstehenden Streß ausgesetzt wird, bzw. kann auch in einer homogenen Gesellschaft unverpaarte, übriggebliebene Tieren dieses Los treffen. Lieber eine reine Arthaltung, dann kommt bei Thorichthys die wahre Freude auf. Die Behälter können dazu ruhig etwas kleiner ausfallen. Bereits ab 60 cm Kantenlänge läßt sich ein Paar halten, ab 100 cm können wir mehrere Paare zusammen pflegen. Dann brauchen wir keine besondere Filterung oder Fütterung und ein Wasserwechsel von einem Drittel pro Woche reicht völlig.
Erfolgreiche Thorichthys-Pflege ist möglich, nur müssen wir uns selbst immer wieder am Kragen packen und auch bei Platznot, die fast jeder Aquarianer hat, strikt davon absehen, Thorichthys mit anderen Cichliden zusammenzusetzen, wenn es auch nur für kurze Zeit ist. Das Problem liegt nicht bei den glitzernden Juwelen aus Mittelamerika, vielmehr bei uns als inkonsequenten Liebhabern.

© Peter Buchhauser