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„Süßwasser-Korallenfische“: „Cichlasoma“ festae (Boulenger, 1899) Tipps zur erfolgreichen, dauerhaften Pflege

 

Natürlich gibt es keine Süßwasser-Korallenfische. Wer aber jemals ausgefärbte Exemplare des roten Tigerbuntbarsches („Cichlasoma“ festae) gesehen hat, dem drängt sich dieser Vergleich unweigerlich auf. Es wird Geschmackssache bleiben und zudem fast ohnehin immer subjektiv: Welche sind wirklich die schönsten, farbenprächtigsten Buntbarsche? Ich zähle „C.“ festae in jedem Fall zu den Favoriten. Balzende Weibchen erstrahlen in dunklem tieforange mit kräftig abgesetzten pechschwarzem Querbinden, während die Männchen gelbgrün glänzen und mit rotblau gepunkteten Flossen aufwarten.

 

 

Häufig anzutreffen in unseren Aquarien waren die aus Ecuador stammenden Cichliden noch nie. Mag der „Amerikaboom“ der 80er Jahre noch für eine gewisse Verbreitung dieser Buntbarsche gesorgt haben, so sind sie inzwischen nur noch recht selten anzutreffen. Dies gilt gleichermaßen für den Handel als auch die privaten Liebhaber. Nur sehr wenige Aquarianer halten „C.“ festae über Jahre hinweg. Die meisten geben leider zu früh auf und trennen sich dann von den Tieren.

Meine Erachtens gibt es genug Ratschläge und Tipps, welche bei genauerer Betrachtung sehr für die Haltung und Pflege dieses wunderschönen Fisches sprechen und Mißerfolge vermeiden lassen.

„C.“ festae braucht zunächst einmal Platz. Männliche Exemplaren kratzen nach Jahren schon mal an der 40 cm-Marke und auch die Weibchen bleiben mit 30 cm nicht sehr viel kleiner.

Daher sollte man erwachsene Tiere nur in Aquarien mit mindestens 200 cm Länge halten, nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Keinesfalls muß der Tigerbuntbarsch alleine gehalten werden. Sicherlich entwickeln Großbuntbarsche wie „C.“ festae eine hohe Aggressivität, die innerartlich noch stärker ausgeprägt ist und benötigen entsprechende Reviere unter Wasser. Jedoch lassen sich „C.“ festae mit vielen mittel- und südamerikanischen Buntbarschen vergesellschaften, wenn ein paar Regeln beachtet werden. Fische mit gleicher Körperform, Größe und ähnlich hohem Aggressionspotenzial wie z.B. Guapotes (Parachromis dovii, motaguense, , etc.) sollten nicht dabei sein und wenn, dann nur vorübergehend und derart, daß die „C.“ festae größer sind als die Guapotes. Dies trifft vor allem auf die beiden gerade genannten Arten zu, da diese sich wohl nie den Tigerbuntbarschen „unterordnen“ werden, wenn sie gleich groß und gleich stark sind.

Problemlos vergesellschaftet werden können Vieja-Arten (z.B. V. regani als hübscher farblicher Kontrast) einige Amphilophus (z.B. A. labiatus) oder auch Herichthys und kleiner bleibende Arten wie „C.“ salvini oder „C.“ octofasciata. Selbst ruhigere Südamerikaner wie Heros oder Hypselecara können mit den „C.“ festae zusammen schwimmen.

Wichtig scheint mir, daß „C.“ festae dominieren kann, anderenfalls sind die Probleme bereits vorbereitet. Damit meine ich die bei „C.“ festae hinlänglich bekannten Krankheitsbilder. Zum einen sterben immer wieder ganze Jungfischscharen plötzlich an Darmparasiten (weißer Kot, blasse Farben, Abmagerung, etc.) zum anderen bekommen auch erwachsene Tiere oft plötzlich

Geschwüre und Aufbrüche, die meistens tödlich verlaufen.

Dem Jungfischsterben kann man ohne Medikamente entgegenwirken durch hohe Aufzuchttemperaturen. 30°C werden ohne weiteres vertragen, die natürlichen Biotope in Ecuador sind in der Trockenzeit, wenn sich diese Cichliden vermehren, alle recht warm. Hinzu kommen eine gute Wasserqualität durch großzügige und häufige Wasserwechsel und entsprechendes, möglichst proteinarmes Futter. Lassen sich gerade freigeschwommene „C.“ festae prima mit Artemia-Nauplien aufziehen, so stellte ich bei vermehrter Fütterung mit gefrorenen Artemia bald Verluste durch Darmparasiten fest. Rote Mückenlarven sind ohnehin völlig tabu. Besser geeignet ist qualitativ hochwertiges Trockenfutter (z.B. O.S.I., Hikari, Haifeng, etc.) als Flocken-, Granulat- oder Kugelfutter, daneben runden gefrorene weiße Mückenlarven, gelegentlich Krill oder Bachflohkrebse das Menü ab und sorgen zudem für genügend Ballaststoffe zur Verdauung.

Halbwüchsige Tiere machen die wenigsten Probleme. Sind die Jungtiere groß genug, um mit ihren Darmparasiten fertig zu werden (fast kein Fisch ist parasitenfrei, er erkrankt jedoch nicht daran, sondern lebt damit), dann können nur noch innerartliche Aggressionen die Freude trüben. Zieht man mehrere rote Tigerbuntbarsche gemeinsam auf, wird man bald folgendes feststellen: Fast immer wachsen zwei Tiere plötzlich den anderen etwas davon und haben kräftigere Farben. Hierbei handelt es sich um das erste Paar bei den Jungtieren. Entfernt man diese, geht das gleiche Spiel mit dem nächsten Paar weiter. Ein Paar wird immer dominieren bei halbwüchsigen Tieren und die anderen unterdrücken. Außer man zieht die Jungfische im 200 cm-Becken groß, aber wer hat schon solche Aufzuchtbecken?

Mein Ratschlag, entweder die verpaarten Nachzuchttiere regelmäßig aussondern oder gleich all die Fische, die man aufziehen will, bei 4-5 cm Länge in ein entsprechend großen Aquarium geben.

Erwachsene oder fast erwachsene Tiere „verabschieden“ sich leider recht oft und recht schnell, wenn ihnen die Gesellschaft oder die Wasserqualität oder beides nicht paßt. Nach Jahren erfolgreicher Pflege und Vermehrung habe ich in den letzten Monaten wieder zunehmend größere Tiere verloren, weil ich „alte Fehler“ wieder zuließ. Mit alten Fehlern meine ich belastetes Wasser durch Übersetzung und den dadurch hervorgerufenen Streß bei den Tieren. Wie bereits erwähnt, sollte „C.“ festae der dominierende Fisch sein. Wird er permanent durch viele andere, aggressive Arten bedrängt und unter Druck gesetzt, dann wirkt sich dies negativ auf das Immunsystem dieser Fische aus. Dazu kann u.U. ein brutpflegendes Paar von C“.“ salvini genügen, wenn deren Revier zu groß wird.

Kommt schlechtes Wasser mit hohen Nitritwerten hinzu, dann bekommt der rote Tigerbuntbarsch leicht Aufbrüche im Kopf- oder Flankenbereich, sog. Geschwüre von innen. Manchmal auch Glotzaugen oder beides. Hierbei handelt es sich um bakterielle Infektionen, die sich schwer wieder heilen lassen. Metronidazol mag im Anfangsstadium oft zum Erfolg führen, ein Allheilmittel ist es bisweilen nicht. Man kann aber auch auf Medikamente verzichten, indem man folgendes unternimmt:

1. Den betroffenen Fisch nicht rausfangen, ein Umsetzen in ein anderes Becken und Milieu bereitet der Krankheit nur einen schnelleren Weg.

2. Wenn möglich, täglich große Wasserwechsel vornehmen, bis ca. 75 % des Wasserinhalts

3. Andere Fische, welche die „C.“ festae unter Druck setzen herausfangen und draußen lassen.

Auf diese Weise konnte ich so manches Tier retten, welches früher unweigerlich als Todeskandidat galt. Das abgebildete Männchen, welches mehr als 30 cm groß ist und in seinen schönsten Farben erstrahlt, hatte vor ca. 6 Monaten ein riesiges Glotzauge. Eigentlich „schwamm“ das Auge auf einer weißen, breiigen Masse, ca. 15 mm oberhalb der Augenhöhle. Erst dachte ich, wenn ich nur den Fisch retten könnte, das Auge sei ohnehin verloren. Lieber ein „C.“ festae, der auf einem Auge blind ist, als gar keiner.

Mittels kräftiger Wasserwechsel, ein Erhöhen der Temperatur auf 28-29°C bei gleichzeitiger Intensivierung der Belüftung sowie durch Entfernen eines großen Vieja bifasciata-Paares mit Jungfischen konnte ich den Fisch vollständig heilen. Selbst das arg mitgenommene Auge blieb intakt und heute ist der Fisch kräftiger denn je. Aber nicht immer hat man so viel Glück. Vorher hatte ich aus Nachlässigkeit und mangels entsprechender Zeit (ich war wieder einmal auf Dienstreise) 6 oder 7 größere „C.“ festae in mehreren Becken verloren.

So gesehen ist die dauerhafte Haltung und Vermehrung von roten Tigerbuntbarschen nicht besonders schwierig, wenn man einige grundsätzliche Dinge beherzigt und konsequent bleibt. Leider geht es vielen Aquarianern nicht anders wie mir. Früher oder später setzen wir diese und jene Fische zusätzlich in das Aquarium und schon gehen die Probleme los.

Literaturhinweise:
Rainer Stawikowski/Uwe Werner: Die Buntbarsche Amerikas, Band 1, 1998, Ulmer Verlag