großcichliden
amerikas

berichte

Mexiko 2009: 2. Teil:

Die einzelnen Biotope

 

 

Während ich im ersten Teil den Rio Chacamax bereits eingehender vorstellte und dabei auf die Problematik der Faunenverfälschung intensiv einging, möchte ich im zweiten Teil die einzelnen Biotope und ihre Cichliden vorstellen.
Rekapitulieren wir die Cichliden des Rio Chacamax. Wir sahen Thorichthys helleri, Chuco intermedius, Theraps coeruleus, Theraps lentiginosus, wenige „Cichlasoma“ salvini und ebenfalls nur vereinzelte Vieja bifasciatus.

Vom Rio Chacamax aus ging es Richtung Guatemala, nur wollten wir diesmal nicht mehr zum Rio Lacanha fahren, auch wenn mittlerweile die gut ausgebaute Straße diese Strecke auf etwa eineinhalb zusammenschrumpfen ließ. 1992 benötigten wir noch gut vier Stunden auf einer mit Schlaglöchern versehenen Schotterpiste.
Wir machten zunächst Halt am Balneario Welib Ha. Runde 25 Meter stürzen sich die Wasserkaskaden in die Tiefe. Dieser als „Balneario“ ausgewiesene Platz gehört zum Ecoturismo“ und ist erst seit wenigen Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich. Kleine, schön angelegte Rast- und Picknickplätze machen es den Besuchern leicht, hier einige Stunden zu verbringen. Es erinnerte uns von der Aufmachung her an die „Cascadas Semuc de Champey“ in Guatemala. Bei unserem Abstecher dort fanden sich nur wenige Besucher ein, zum Glück, denn auch dieser idyllische Platz wird mittlerweile von Tagespauschaltouristen heimgesucht, welche in Busladungen hier angekarrt werden. Wir sahen Astatheros nourissati und Chuco intermedius. Letztere fanden sich in transportfähiger Größe und wurden gleich eingetütet.

Nach relativ kurzem Aufenthalt ging es zum Rio Chocolja. Dieser Regenwaldfluss wurde mehrfach fälschlicherweise als Rio Corzo bezeichnet. Oben auf der Brücke stand jedoch jahrelang ein Schild mit der Aufschrift „Puente Chocolja“, mittlerweile ist es verschwunden. Den Rio Corzo haben wir trotz mehrerer Reisen in dieses Gebiet bis heute nicht gefunden, was aber nicht heißen soll, dass es ihn nicht doch gibt...
Eine Wäsche waschende Indigena-Frau ließ sich von uns nicht bei ihrer Arbeit stören und wir gingen absichtlich etwas weiter flussabwärts ins Wasser. Schließlich wollten wir nicht als „Gringos“ hier auftreten, sondern waren uns bewusst, dass wir als Gast hier geduldet werden. Nicht schlecht staunten wir, als wir Cryptoheros spilurus im ruhigeren, flachen Uferbereich sahen. Dass diese Art in Mexiko vorkommt, ist bekannt, jedoch nur auf der Halbinsel Yukatan, nahe der Grenze zu Belize (Laguna de Bacalar, Rio Hondo, etc.). Über den Rio Usumacinta steht der Rio Chocolja mit den guatemaltekischen Zuflüssen in Verbindung. Müssen es die kleinen Kerle also irgendwann auf diese Art geschafft haben. Ebenfalls etwas verwundert waren wir auch, als uns halbwüchsige Vieja synspilus unter Wasser vor der Taucherbrille davon schwammen. Auch diese Art war bislang nicht im Rio Chocolja vertreten.
Daneben fanden sich „alte Bekannte“ wie Vieja ufermanni, Theraps irregulare, Theraps lentiginosus, Astatheros nourissati, Chuco intermedius und wunderschöne Thorichthys spec. „Chocolja“, welche wir der helleri-Variantenvielfalt zurechnen (?). „Cichlasoma“ pearsei sahen wir diesmal leider nicht und selbst beim 5. Besuch des Rio Chocolja (über 17 Jahre verteilt) konnte ich noch immer keine Vieja argentea dort finden. Es gibt sie aber, jedoch müssen sie sehr selten sein. Die Thorichthys und Th. lentiginosus wurden von uns mitgenommen.
Wir machten uns wieder auf den Rückweg nach Palenque und wollten noch kurz beim Rio Chancala vorbeifahren. Die Kreuzung Chancala ist nach wie vor mit Soldaten besetzt, etliche trugen kugelsichere Westen, trotz der Hitze. Auch nach einigen ruhigen Jahren, ohne Zapatistenbewegung hält man dort am Militär fest. Heutzutage sucht man eher Drogenschmuggler oder illegale Einwanderer aus Guatemala als Rebellen. Konnte man in der Vergangenheit kurz vor der Brücke am Chancala prima zum Fluss hinuntergehen, bzw. -fahren (der Platz im flachen Wasser war sehr beliebt zum Autowaschen!), so spannt sich jetzt eine neue Brücke über den kleinen Fluss. Weitaus höher gelegen als die alte Brücke, ist weder links noch rechts eine Möglichkeit, zum Fluss runter zu gelangen. Die flachen Stellen, der Waschplatz, nichts mehr davon konnten wir erkennen. Wir fuhren auf die andere Seite, drehten wieder um und mussten erkennen, dass anscheinend auch im Fluss gebaggert wurde, vielleicht, um Kies zum Brückenbau zu bekommen. Im Jahr 2009 war der Chancala trotz Trockenzeit bei der neuen Brücke viel tiefer und absolut unzugänglich.
Nach etlichen Kilometern auf unbefestigtem Terrain gelangten wir zum Rio Chancalaito, quasi dem kleineren Bruder des Rio Chancala. Im ganz flachen Wasser, mit etwa 20 Zentimeter Wasserstand zog ein Paar Theraps irregulare mit relativ großen Jungtieren vor unseren Füßen vorbei. Es war ein Leichtes, hier einige Jungtiere einzusammeln, wenn auch diese schon recht flink waren und sich ganz auf den mit Kieseln übersäten Boden drückten. Die Thorichthys spec. gingen uns hier auch noch einmal in die Handkescher. Daneben fanden sich „C.“ salvini, Ch. intermedius, A. nourissati und Th. lentiginosus.
Am Rio Tulija stärkten wir uns erst einmal mit einer gehörigen Mahlzeit und schnorchelten dann im klaren Wasser. Angeblich gibt es im Tulija-Unterlauf bereits Loricariiden, aber hier, an der Straße nach Aqua Azul war die (Fisch-)Welt noch in Ordnung. Thor. socolofi, Th. coeruleus, Th. lentiginosus, Ch. intermedius, C.“ salvini und Paraneetroplus omonti zeigten sich vor unseren Taucherbrillen. Was uns wirklich erstaunte, waren die P. omonti. Ein Trupp von 12-15 erwachsenen Tieren stand genauso wie 1999 (!) beim Brückenpfeiler in der Flussmitte und zog dann schnell flussabwärts. Beiderseits der Brücke sahen wir weder flussauf- noch flussabwärts weitere Tiere in dieser Größe, höchstens einzelne halbwüchsige Exemplare. Ein paar semiadulte Thor. socolofi nahmen wir mit. Der Rio Misol Ha oberhalb des bekannten Wasserfalls war wieder einmal trübe, in Flussnähe wird überall Reis angebaut. Wir konnten nur noch kurz rein gucken und auch die Weiterfahrt zum Rio Bascan mussten wir aus Zeitgründen entfallen lassen.
Ein Tag mit vielen Cichliden und zum Glück (noch) ohne Loricariiden ging zu Ende.

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf und fuhren in Richtung Rio Candelaria, d.h. auf die Halbinsel Yukatan.
Der Rio Candelaria als auch der Rio Chumpan sind für Aquarianer zum Fischen sowieso zu groß, obwohl sie sich im März 2009 als „klar“, sprich grün gefärbt und daher für relativ sauber zeigten. Nach der Überquerung des Rio Candelaria waren wir auf der Suche nach geeigneten Zuflüssen. Mittlerweile kein allzu einfaches Unterfangen mehr, denn beiderseits der befestigten und unbefestigten Straßen ist nahezu alles mit Stacheldraht eingezäunt. Wir machten sogar Witze darüber, indem wir es bereuten, nicht schon vor 20 Jahren nach Mexiko ausgewandert zu sein, um Stacheldraht zu vertreiben. Anscheinend noch immer ein lohnender Geschäftszweig.
Ein mit Seerosen bewachsener, langsam dahin fließender, kleiner Fluss hatte es uns angetan. Das Wasser war nicht recht klar, die Sichttiefe lag zwischen 50 cm und einem Meter.Nachdem wir unsere Ausrüstung zum Ufer schleppten, der Wagen parkte etliche Meter entfernt, erwies sich dieses kleine Biotop als durchaus lohnenswert. Wir fanden die typischen „Candelaria-Cichliden“. Thorichthys meeki kam sympatrisch mit Th. helleri vor, ebenso Vieja bifasciatus mit V. synspilus. Astatheros robertsoni, Rocio octofasciata, Petenia splendida und „C.“ urophthalmus rundeten das Bild ab. Daneben gab es wunderschöne Lebendgebärende.
Gleich ein paar Kilometer weiter fischten wir abermals in einem Candelaria-Zufluss. Der fast ausgetrocknete Bach führte unter der Brücke noch am meisten Wasser. Die Brücke bestand hier, wie so oft, aus drei nebeneinander liegenden, großen gewellten und verzinkten Blechrohren, die überbetoniert wurden. Flussabwärts bot sich eine größere Sumpflandschaft, die hin und wieder kiesige Bereiche aufwies. Hier wurden die V. bifasciatus bereits durch V. heterospilus abgelöst, hinzu kamen große Belonesox belizianus.
Alle Cichliden der beiden Biotope waren von der Größe her ungeeignet zum Mitnehmen, brutpflegende Paare sahen wir hier überhaupt nicht. Daher fuhren wir weiter, Richtung Grenze zu Guatemala. Hinter Miguel Hidalgo fand wieder eine Militärkontrolle stand, ein klares Anzeichen, dass wir uns der Grenze näherten. Für die Soldaten waren wir „Alemanos“, die in der Nähe ihres Grenzpostens nach „Mojarras“ (span. für Buntbarsch) suchten, eine willkommene Abwechslung zu deren tristem Alltagsjob der Fahrzeugkontrolle. Man gab uns den wohl gemeinten Rat, zum Balneario Aguas Verdes zu fahren, acht Kilometer von Guatemala entfernt. Die Beschreibung war gut und wir fanden einen sogenannten „Quelltopf“. Glasklares Wasser wird unten durch Sand- und Kiesschichten gedrückt und es entsteht so ein Fluss. Ähnlich den Rio Pucte in Guatemala oder dem Balneario Palmar (Grenzgebiet Mexiko zu Belize am Rio Hondo) wimmelte es hier in dem nährstoffarmen Wasser von Fischen. Zehn Cichlidenarten konnten wir beim Schnorcheln in diesem riesigen, fantastischen „Unterwasseraquarium“ ausmachen. Th. meeki und Th. helleri, V. heterospilus und V. synspilus, R. octofasciata, P. splendida, „C.“ salvini, „C.“ urophthalmus, A. robertsoni und Oreochromis aureus.
Wir schnorchelten etliche Zeit und trotz der beeindruckenden Unterwasserlandschaft das gleiche Spiel wie zweimal zuvor. Kein einziges Paar führte Jungfische, nicht einmal die in ihrer Heimat als Dauerlaicher bekannten Thorichthys pflegten Jungtiere. Wir machten uns auf den Rückweg nach Palenque und fuhren an einer mir altbekannten Stelle vorbei.
Bei Cuyo Alvaro Obregon fingen Frank und ich 1992 unsere ersten „Catazaja-Bifasciatus“ in einer Viehtränke zusammen mit einem knapp zwei Meter langen Kaiman. Während uns die Einheimischen damals aufgeregt vor dem gefährlichen „Lagarto“ warnten, zogen wir unverdrossen unsere als Fischernetz dienende Gardine immer wieder an Land. Ganze zwei Tiere dieser besonders rot werdenden Farbvariante von V. bifasciatus konnten wir damals erbeuten. 1999 waren wir erneut an dieser Stelle und jetzt nach 10 Jahren zum dritten Mal. Die „Viehtränke“ war mittlerweile erweitert zu einem stattlichen Teich, jedoch mit sehr steilen, schlammigen Ufern, die jegliches Fischen unmöglich machten. Zumindest in der Trockenzeit können auch keine Kühe mehr ins Wasser. Vom Ufer aus sahen wir „C.“ urophthalmus, V. synspilus und V. bifasciatus in dem trüben Gewässer. Ich machte mich daran, den dort lebenden Alligator ins Wasser zu scheuchen. Ein Deja-Vu Erlebnis von 1992 oder 1999?
Die scheuen Tiere gleiten recht flott ins Wasser, wenn man ihnen am Landweg zu nahe kommt. In die Hände klatschen bewirkt das gleiche. Nach einigen Minuten tauchte das Tier mittig im Wasser völlig unerwartet wieder auf. Die ganze Gegend dort ist voll mit solchen Tümpeln, welche während der Regenzeit alle miteinander in Verbindung stehen. In fast jedem größeren „wohnen“ ein oder vielleicht auch mehrere Kaimane. Diese Tiere kommen bei der Regenzeit aus Guatemala über den Rio Usumacinta in dieses Gebiet und siedeln sich dort an. Dem Menschen werden sie nicht gefährlich und fressen wohl eher das am Wasser lebende Geflügel als unsere Buntbarsche.
Der Rio Chico unweit hinter der Viehtränke war genauso schlammig und voll mit Loricariiden. Kormorane erbeuteten kleinere Saugwelse und versuchten, diese zu schlucken. Indem die Welse ihre starken Brustflossen abspreizen, können die Kormorane die Beute nicht hinunter schlingen. Kann der Saugwelse nicht hoch gewürgt werden, verenden Jäger und Gejagter. Ein paar Mexikaner beklagten ihr Leid über den eingeführten „Pez diablo“.

Ein Tour nach Frontera zum Golf von Mexiko war für den nächsten Tag angesagt. 1999 war ich zum ersten Mal dort und die klaren Brackwasserbiotope begeisterten mich. Damals fingen wir im schultertiefen Wasser auf kiesigem Grund etliche Cichliden. Zehn Jahre später – Fehlanzeige. Obwohl das Gebiet überall als Biosphären-Zone ausgewiesen ist, legte man anscheinend die sumpfigen Gebiete trocken, um so landwirtschaftliche Nutzfläche zu gewinnen.
Völlig abgefahrene Bremsen an unserem Dodge kosteten uns etwa vier Stunden, viel war vom Tag nicht mehr übrig, als wir von Frontera aus unserer Rückweg nach Palenque antraten. Die Stimmung im Auto war nicht die beste, deswegen fuhren wir einen anderen Weg zurück, indem wir uns nördlich des Rio Grijalva bewegten und damit sozusagen einen „Rundkurs“ ermöglichten. Etwa 20 Kilometer hinter Frontera sahen wir rechter Hand einen Baggersee, die Arbeiter machten gerade Feierabend. Wir fragten, ob wir fischen dürften und die Arbeiter nickten uns zu. Loricariiden konnten wir gleich außerhalb des Wassers anhand einiger verwester Kadaver im Sand unschwer erkennen. Mit dem 10-Meter-Zugnetz war das Fischen am steilen, sandigen Ufer ein schwieriges Unterfangen, die Mexikaner mussten sich wohl ihren Teil über uns gedacht haben. Nach einiger Zeit kam ein kleines Ruderboot auf uns zu, der ältere Mexikaner bot uns an, zu helfen. Indem ich das Netz am Ufer in einigermaßen stand- sicherer Position festhielt und Frank sich ins Ruderboot begab, konnten wir einen Halbkreis im Wasser ziehen. Dies machten wir einige Male und erbeuteten Thor. meeki, Thor. pasionis, P. splendida, „C.“ urophthalmus, „C.“ salvini und V. synspilus. Die pasionis, salvini und synspilus waren klein genug zum Transport und gingen mit uns mit, der Rest wurde abfotografiert und wieder in den Baggersee entlassen.
So hatte sich der Tag trotzdem noch einigermaßen gelohnt.

Am nächsten Tag war Kultur angesagt, die Ruinen von Palenque, für mich nach wie vor die schönste Mayastätte, vielleicht deshalb, weil gleich hinter den Tempeln der Regenwald(-rest) anfängt. Ich glaube, ich war mittlerweile zum fünften Mal bei den Ruinen und von Mal zu Mal wird es touristischer. Ein Vergleich mit Lourdes ist nicht aus der Welt gegriffen. Überall fliegende Händler, welche alle möglichen Waren lauthals anbieten und das schon um 8 Uhr frühmorgens. Ich war so naiv zu glauben, dass um diese Uhrzeit noch gar nichts los sei, denn die Touristenbusse kämen doch viel später. Moderne Überlandbusse fahren inzwischen schon am Spätabend in Cancun los, damit die Touristen am nächsten Morgen bei den Ruinen von Palenque ankommen. Dort hat man einen halben Tag, dann sammelt sich alles wieder im Bus ,es geht meist nach Agua Azul und zum Wasserfall des Rio Misol Ha, damit man möglichst viel an einem Tag schafft.
Der beeindruckende Tempel der Inschriften mit Pakal's Grab im Inneren darf mittlerweile nicht mehr bestiegen werden, damit ist Palenque um eine Attraktion ärmer. Andererseits sind sowieso nicht allzu viele Besucher bei 30°C Hitze und geschätzten 80% Luftfeuchtigkeit erst die Pyramide ganz hinaufgestiegen, um dann die steile, feuchte Treppe ins Innere des Tempels hinunter- und wieder hinaufzuklettern. Und das alles nur, um einen Blick auf die Sarkophag-Replika von Pakal zu werfen, während man dort unten das Gefühl hatte, die „Luft schneiden zu müssen“.
Neue Ausgrabungen links des großen Palastes erweckten mein Interesse. Plötzlich war ich ganz allein unterwegs, Gedanken an Touristen, welche in Mittelamerika in Ruinenstätten überfallen wurden, schossen mir kurzzeitig durch den Kopf. Als ich allerdings die wunderschönen Terrassen des kleinen Flusses Otulum sah, waren diese Gedanken gleich wieder weit weg. Leuchtaugenkärpflinge der Gattung Priapella tummelten sich dort in malerischer Umgebung.
Auch uns machte die Hitze und feuchte Luft zu schaffen, zur Mittagszeit verließen wir mit komplett nassen T-Shirts die Anlage.
In der Laguna Catazaja fischten wir wieder mit dem Zugnetz. Das sehr flache Wasser wäre Ideal gewesen, hätte der Untergrund doch etwas mehr Sand als Schlamm enthalten. Trotzdem waren es äußerst erfolgreiche Netzzüge, was die Anzahl der Cichliden betraf. Wir fanden auch wieder Thor. meeki, Thor. pasionis, V. synspilus, V. bifasciatus, A. robertsoni, „C.“ salvini, „C.“ urophthalmus, Oreochromis und Loricariiden.

Frühmorgendliche Hektik, alles musste verpackt werden, der reichlich vorhandene Platz im Dodge schwand zusehends, wir verließen Palenque und machten uns auf nach Teapa.
Ein schönes Hotel mitten in Teapa, Kolonialstil mit Patio, kam leider nicht in Frage! Warum, weil Aquarianer praktisch denken. Ein Parkplatz war nicht in der Nähe, wir hätten auf gut Glück immer wieder irgendwo einen neuen finden müssen, zudem gab es nur Zimmer im Obergeschoss, was ein Ausschlusskriterium war, denn wer will die ganzen Fische, die Ausrüstung und das wenige an persönlichen Kleidungsstücken schon so weit schleppen. Bei den Schwefelquellen (= Azufres) außerhalb von Teapa fanden wir, was wir suchten. Ebenerdig, der Wagen direkt vor der Türe geparkt, in der Luft ein permanenter und penetranter Schwefelgestank. Was waren wir für Banausen...

Samstag am Rio Blanco! Wir sind die einzigen Fremden, neben einigen hundert Mexikanern, die am Rio Blanco picknicken, Würste grillen, Tortillas braten und im Wasser sehen. Der Mexikaner an sich schwimmt nicht oder kaum, er steht im Wasser, um sich abzufrischen.
Wir zogen zunächst flussabwärts und sahen dort Paraneetroplus gibbiceps, Theraps lentiginosus, Th. coeruleus und Chuco intermedius. Allerdings nur immer halbwüchsige Tiere. Oberhalb der engsten Stelle bei der Brücke war der Fluss viel tiefer, da er sich im Lauf der Jahrtausende einen Canyon durch die Felsen gegraben hat. Grober Kies als Untergrund und hie und da ein abgestorbener Baum, das war die gesamte Unterwasserwelt, links und rechts von Felswänden gesäumt. Die gleichen drei Arten wie zuvor, allerdings auch größere Tiere. Leider kein einziges brutpflegendes Paar weit und breit. Hätten wir damals gewusst, dass rund 10 km weiter, bei Ixtacomitan, Uwe Werner P. gibbiceps fing, wären wir sicherlich auch dorthin gefahren. Vermutlich wäre jedoch auch dort der Samstag der falsche Tag gewesen.

Wieder zurück Richtung Teapa hielten wir an einer Brücke namens „Puente Rosita“ bei einem kleinen Bach ohne Namen. Wir waren schon fast wieder mitten in all den Bananenplantagen. Kein Wunder, dass der Bach weitaus trüber war als der Rio Blanco, welcher in höheren Lagen entspringt. Jedoch sahen wir viel mehr Fische. Schwertträger, V. bifasciatus, Th. lentiginosus, Th. coeruleus, Thor. helleri und „C.“salvini. In Ufernähe führte gerade ein salvini-Paar etwa zehn mm große Jungfische. Flugs wurden davon etliche eingetütet und wir fuhren weiter.
Der Rio Pichucalco lädt am Samstag natürlich auch zum Baden ein, jedoch waren die meisten Badegäste bereits verschwunden und niemand grillte mehr . Im flachen Bereich gab es kaum Fische, in den tiefen Zonen bei den zum Teil unterspülten Brückenpfeilern wimmelte es nur so von Cichliden. Weder mit den Netz noch mit den Handkeschern konnten wir dort fischen. Einzelne, große Loricariiden schwammen eilig davon, wenn man sich näherte. Im Gegensatz zum Rio Chacamax waren sie noch nicht so „zutraulich“, der natürliche Fluchtinstinkt war hier noch vorhanden. Wir sahen Thor. helleri, V. bifasciatus, Th. lentiginosus.

Kurz vor unserer Unterkunft überquerten wir die beiden Flüsse Azufres I und Azufres II. Während der erste ein fürchterlich stinkender Schwefelfluss ist (mit Fischen!), ist der zweite weitaus einladender. Wir suchten die sogenannten Schwefel-bifasciatus,welche um Teapa rum vorkommen. Sie sehen farblich ganz anders aus wie z.B. die Tiere aus dem Rio Chacamax, aus dem Rio Candelaria oder aus der Laguna Catazaja. Mit quasi förmlichen Riecher entdeckten wir oberhalb der Brücke ein brutpflegendes Paar und nahmen ausreichend Jungtiere mit. Überhaupt wurde es jetzt erst so langsam interessant für mich. Während Dieter und Frank eher auf die kleineren Arten wie Thorichthys aus waren, ging es mir bei dieser Reise vornehmlich um meine Lieblinge, den Vieja-Arten. Mit ein paar Catazaja- Exemplaren konnte ich meinen zehn Jahre alten Bestand wieder auffrischen, mit den Schwefel-bifasciatus bot sich etwas völlig Neues. Neben den V. bifasciatus gab es im Azufres II noch „C.“ salvini und Thor. helleri.

Sonntag, ebenfalls Volksbadetag! Durch die Stadt Teapa selbst fließt der Rio Puyacatengo. Es war nicht viel anders als am Rio Blanco, außer, dass hier diverse Nylonseile quer über den Fluss gespannt wurden. Wie bereits geschrieben, man schwimmt nicht, jedoch kann man sich im Wasser am Seil entlang hangeln. Wir entdeckten die üblichen Ch. intermedius, Thor. helleri und V. bifasciatus. Letztere zeigten sich uns wieder wohlgesonnen, indem am gegenüberliegenden Ufer in einer ruhig fließenden Zone ein brutpflegendes Paar auf uns wartete. Wie das vor sich ging, kann man anhand einer kleinen Fotoserie sicher nachvollziehen.
Die Puyacatengo-bifasciatus kamen wohlbehalten in Deutschland an, jedoch gingen sie uns nach und nach in unseren Aquarien ein. Jammer schade, denn ich hätte gerne diese Tiere mit den Azufres-bifasciatus genau verglichen, sobald sie etwas größer geworden wären.

Am Montagmorgen hatten wir noch mehr Cichliden einzupacken, dafür wurde das persönliche Gepäck schon deutlich weniger. Um Platz bei der Heimreise für all die Fische zu gewinnen, haben wir permanent alte T-Shirts unterwegs „entsorgt“. Beim Hinflug packte ich fast alle meine Kleidung in die Transportflaschen ein, gerade Unterwäsche und T-Shirts lassen sich so gut verstauen, selbst ein kleines Handtuch bekommt man durch die Weithalsmündung unserer Laborflaschen. Es ist klar, dass wir nicht das Dressmen durch Mexiko reisten, genauere Beschreibung unserer äußerst „modischen Reisebekleidung“ erspare ich mir lieber, denn man kann sich vermutlich vorstellen, wie ein Uralt-T-Shirt aussieht, nach dem es tagelang in einer Flasche eingerollt war.
Wir fuhren in die Isthmus Gegend, zur Meerenge zwischen Atlantik und Pazifik, nach Matias Romero. Matias Romero ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Es liegt an der MEX 185, der schnellsten Straßenverbindung zwischen den beiden Meeren, weitaus näher am Pazifik, trotzdem entwässern selbst noch die Flüsse hinter Matias Romero (d.h. Richtung Pazifik) über den mächtigen Rio Coatzacoalcos in den Atlantik. Der Rio Almoloya und der Rio El Corte scheinen die letzten Flüsse zu sein, bevor sich die Wasserscheide auftut und alles in den Pazifik entwässert.
Die Fische des Rio Coatzacoalcos-System haben es mir besonders angetan, allen voran die Vieja. Werner und Stawikowski fischten Anfang der 80er Jahre dort und fingen viele verschiedene Viejas aus diesem Gebiet. Damals bezeichnete man die Tiere noch als „Cichlasoma“ guttulata, daraus wurden dann Paratheraps, später Vieja, vor kurzem wieder Paratheraps, was inzwischen auch schon umstritten ist. Auf jeden Fall dürfte es sich bei diesen Cichliden um eine wissenschaftlich noch unbeschriebene Art handeln, nicht jedoch um Vieja guttulata. Leider zogen Werner und Stawikowski die dort gefangenen Tiere nicht strikt getrennt auf (pers. Mitteilung Uwe Werner), so dass die genaue geographische Zuordnung der einzelnen Varianten nicht mehr möglich ist. Es gab türkisblaue Fische, türkisblaue mit roten Flossensäumen, sog. Rotschwanztheraps (hier waren die unpaaren Flossen komplett rot), Tiere mit einer goldenen Grundfärbung, etc.
Am nächsten verwandt sind die „Coatzacolacos“-Vieja mit V. bifasciatus. Die Gruppe der „türkisblauen“ wird recht groß und bullig. Männliche Tiere über 40 cm Gesamtlänge sind keine Seltenheit. Dabei werden manche Exemplare extrem hochrückig, was man in den natürlichen Habitaten so gut wie nie sieht. Im Alter verblasst die plakative Färbung und der hell-dunkel Kontrast kommt verstärkt zum Vorschein. Leider kreuzen sich all diese Cichliden gerne mit anderen Vieja-Arten, vornehmlich mit V. bifasciatus, aber auch mit V. fenestratus und V. synspilus, dass eine Fülle verschiedenster Hybriden im Umlauf ist. So ist es manchmal ein reines Rätselraten, welche Elternarten beteiligt sind. Ich hatte Anfangs der 90er Jahre eine zeit lang reinrassige V. spec. „Coatzacoalcos“, vermehrte die Art recht häufig und verbreitete Hunderte von Nachzuchten. Dann verschwanden die Tiere mehr und mehr. Erst in den letzten Jahren kamen wieder einige dieser äußerst farbenprächtigen Großcichliden auf den Markt.
Um es auch gleich vorneweg zu nehmen. Ich erhielt 2008 etliche spec. „Coatzacoalcos“ Wildfänge von Michael Pilack, welcher diese Tiere im Rio Grande bei Matias Romero fing.
Wir selbst fingen an vier verschiedenen Flüssen V. spec. „Coatzacoalcos“, womit ich derzeit fünf „Formen/Varianten“ wohl ein und derselben Art großziehe. Ein Ding der Unmöglichkeit, dazu werden die Fische zu groß. Mehr als die Hälfte der mitgebrachten Tiere musste ich schon abgeben. Eine strikte Trennung ist quasi nicht mehr gegeben. Andererseits sehen alle fünf Standortvarianten gleich aus, was bei vier mal +/- 10 cm und einmal +/- 20 cm Größe aber noch gar nichts sagen muss. Worauf ich hinaus will? Es wird mir nicht anders gehen als Werner und Stawikowski 15 Jahre vorher.

Der Rio Almoloya wurde gelegentlich mit den Rio Ajal verwechselt. Er ist Typusfundort von Thor. callolepis, der einzigen Thorichthys-Art ohne Kiemendeckelfleck.
Man biegt hinter Matias Romero Richtung Pazifik auf der MEX 185 rechts ab, kommt zum Örtchen Ajal mit gleichnamigem Fluss, dem Rio Ajal, überquert diesen und fährt dann etwa 8-10 km weiter zur Ansiedlung Almoloya, mit gleichnamigem Fluss. Eher ein Bach, wer weiß, wie der Bach aber in den Regenzeit aussieht. Wir sahen Thor. callolepis, Thor. spec. „Coatzacoalcos“ und V. spec. „Coatzacoalcos“. Bei den Thor. spec. „Coatzacoalcos“ ist noch ungeklärt, ob es sich um einen eigenständige Art oder um eine Variante von Thor. maculipinnis (früher Thor. ellioti) handelt. Unter Wasser sehen beide Thorichthys vor allem während der Brutpflege recht ähnlich aus und auch 2009 erwischten wir nur Thor. spec. „Coatzacoalcos“, was wir erst später feststellten, obwohl wir uns so sicher waren. Auch 1999 waren wir uns sehr sicher, trotzdem fingen wir auch damals keine Jungtiere von Thor. callolepis, lediglich größere Einzeltiere.

Auf dem Rückweg hielten wir am Rio Ajal, einem recht sauberen und klaren kleinen Fluss. Eine neue Brücke ersetzt die übermauerten Blechröhren. Die Fragmente der alten Brücke lässt man, wie so üblich in Mexiko, einfach im Wasser stehen. Für uns ein geeigneter Einstiegsplatz ins Wasser und gut zum Deponieren der Ausrüstung, da relativ ameisenfrei. Es gibt in Mexiko die winzigen Feuerameisen, wer sie einmal kennen gelernt hat, liebt die allgegenwärtigen Moskitos! Zum Ajal sind wir in den nächsten Tagen noch oft gefahren, da wir von hier immer unser Wasser für den Wasserwechsel in Flaschen mitnahmen.

1999 fischten wir mehrere Male unterhalb der alten Brücke im relativ schnell fließenden, seichten Wasser.
2009 gingen wir flussaufwärts und konnten relativ einfach sehr viele Jungtiere von Vieja regani und V. spec. „Coatzacoalcos/Ajal“ mitnehmen. Die flinken Paraneetroplus bulleri waren allesamt ohne Jungfische, ebenso die „C.“ salvini dort. Lediglich die Thor. spec. „Coatzacoalcos“ führten ausreichend Jungtiere.

Der breitere Rio Malatengo oberhalb von Matias Romero, Richtung Atlantik, war etwas eingetrübt. Wir sahen halbwüchsige Exemplare von „C.“ salvini, V. spec. „Coatzacoalcos“ und Thor. spec. „Coatzacoalcos“.

Auf der Karte stellten wir fest, dass der Rio El Corte der letzte Coatzacoalcos-Zufluss vor der Wasserscheide sein müsste. Eine neu geteerte Straße machte uns den Weg einfacher, trotzdem dauerte es wegen der endlos scheinenden Serpentinen über eine Stunde, bis wir den kleinen Fluss fanden. Ebenfalls leicht eingetrübt, konnten wir anfangs nur schwer Fische ausmachen. Wir fanden wunderschön gefärbte Thorichthys, die vom Aussehen her sehr stark an Thor. maculipinnis erinnern, trotzdem dürfte es sich um eine weitere Variante von Thor. spec. „Coatzacoalcos“ handeln. Die für diese Gegend üblichen Vieja waren ebenfalls vertreten. Wir nahmen jeweils Jungtiere davon mit.

Am 1. April waren wir unterwegs zum gewaltigen Rio Jaltepec. Auf halbem Weg überquerten wir einen kleinen Bach bei „El Robalo“. Schnell den Mietwagen abgestellt und von der Brücke hinunter gespäht. Etwa 4-6 Meter breit und kaum einen halben Meter tief, aber voll mit P. Bulleri und Thorichthys. Der einzige Zugang zu dem Bach führte durch ein privates Grundstück mit kleinem Haus. Wir fragten die Besitzerin, welche gerade ein Huhn rupfte, ob wir zum „Arroyo“ (spanisch für Bach) runter gehen dürften. Sie bejahte, machte uns aber auch klar, dass wir nicht fischen dürfen. Anscheinend waren vor uns schon mal andere Aquarianer da und hatten wohl die gleiche Idee...

Der Rio Jaltepec ist selbst in der Trockenperiode noch immer 60-80 Meter breit, kann jedoch nahezu völlig durchschritten werden, da bis auf ein kleines tiefes Stück der Wasserstand nicht mehr als einen Meter beträgt. Wir sehen Grundeln, große Oreochromis, Thorichthys, welche am Ufer neben dem Brückenpfeile bei 30 cm Wasserstand ihre Jungen vorführen uns sich so wunderbar fotografieren lassen. Die wenigen, aber großen V. spec. „Coatzacoalcos“ sind hier recht blau gefärbt mit schönen roten Flossen. Außer den Thorichthys sehen wir aber keine brutpflegenden Tiere. 1999 fingen wir im Jaltepec mit dem Zugnetz mehrere kleine V. regani, zehn Jahre später sehen wir an diesem Tag keinen einzigen.

Auf dem Rückweg nach Matias Romero stoppten wir noch am Rio Juñapan. Hüfttiefes, klares Wasser und ein Kiesboden lud auch die Mexikaner zum Baden ein. Wir schnorcheln ein wenig rum und stellen fest, dass gerade im „Badebereich“ die Fischdichte am höchsten ist. Vermutlich deshalb, weil durch das Waten im Wasser kleinste Futterteilchen aus dem Kies aufgewühlt werden und so die Cichliden angelockt werden. So sahen wir erst verwundert und dann mit Begeisterung etliche P. bulleri-Paare neben V. spec. „Coatzacoalcos“-Paaren, alle mit bereits größeren Jungfischen. Der Abstand von Paar zu Paar lag bei etwa einem bis zwei Metern. Dazwischen immer wieder halbwüchsige V. regani und in Ufernähe viele Thorichthys. Trotzdem ist es nicht so einfach, hier Fische zu fangen, weil die P. bulleri und auch die Vieja sehr schnell mit ihren Jungtieren durch das Wasser ziehen. Wahrscheinlich deshalb, weil in der „Badezone“ so gut wie keinerlei Versteckplätze vorhanden sind. Schließlich gelang es uns trotzdem, etwa 70-80 Jungtiere von P. bulleri zu erbeuten.
Letztendlich erwies sich jedoch dieser Fang als Aprilscherz. Daheim in Deutschland zeigte sich nach einigen Wochen, dass es keine P. bulleri waren, sondern Vieja. Anscheinend standen zwei brutpflegende Paare nah beieinander und beim hinterher schwimmen mit zwei Handkeschern erwischten wir die falschen Cichliden. So hatten wir bis jetzt ungefähr 150 Vieja spec. „Coatzacoalcos“ aus drei verschiedenen Biotopen. Aber es sollten noch mehr werden.

Am nächsten Tag, unserem letzten Fangtag, ging es an die Pazifikseite. Wir bogen vor Juchitan links ab und machten uns auf den Weg zum Rio Niltepec, Typuslokalität von V. zonata. Kommt man von Matias Romero her die Berge runter, entdeckt man im Flachland einen riesigen Windpark. Immer wieder sahen wir Schwerlaster, welche entweder die gewaltigen Rotorblätter geladen hatten oder die enormen Stahlsäulen transportierten. Etwa 5000 Windräder sollen es einmal werden, momentan dürfte etwa die Hälfte bereits installiert sein. Auflandige Winde vom Pazifik her sorgen für konstante Stromerzeugung. Nicht schön, aber allemal besser als fossile Brennstoffe, Atomkraft oder Staudämme. Wir überquerten den Rio Niltepec und fanden ihn fast völlig ausgetrocknet vor. 1999 fischten wir dort in einem von Faden-und Schwebealgen überwucherten Rinnsal nach Amphilophus macracanthus. Vermutlich durch Pestizide und Waschmittel verunreinigt juckten uns die Beine, mit denen wir im Wasser standen. Zum Glück blieben nach den Kratzorgien keine größeren Entzündungen. Deshalb ließen wir diesmal den Rio Niltepec liegen und machten uns auf zum Rio Ostuta. Fehlanzeige, trocken. Also weiter zum Rio Zanatepec. Den Zanatepec hatten wir als recht sauber in Erinnerung. So zeigte er sich auch im Jahre 2009. Ein Kiesbett mit wenig klarem Wasser. In einer kolkartigen Vertiefung entdeckten wir ein brutpflegendes Vieja zonata Paar. Bis wir mit Brille, Schnorchel, Kescher und Tüten ausgestattet waren, fischte ein Mexikaner mit dem Wurfnetz im Kolk nach Lebendgebärenden für die Suppe. Es gelangen uns recht schöne Fotos vom Fischen mit dem Wurfnetz, nur waren unsere Vieja weg. Irgendwann hatte der Fischer genug, die Viejas kamen langsam wieder, jedoch ohne Jungfische. Vermutlich haben sich die anderen Cichliden sofort auf sie gestürzt, als durch das Wurfnetz ein mittleres Chaos im Kolk losbrach.
Wo ein Vieja-Paar mit Jungfischen ist, sind auch weitere, dachten wir uns.
Jedoch war dies nicht so einfach. Wir wanderten flussaufwärts und flussabwärts. Einem kräftig gelb gefärbtem Weibchen von Amphilophus trimaculatus nahmen wir mit etwa 100 Jungtieren weniger als die Hälfte der großen Jungfischschar ab. Dabei war das Weibchen noch keine zehn Zentimeter groß. Schließlich entdeckten wie doch noch unsere Vieja, gleich zwei brutpflegende Paare. Beim ersten Paar war die Jungtiere allerdings sehr klein, wir tüteten sie zunächst einmal ein und hielten weiter Ausschau. Ein zweites Paar führte etwas größere Jungfische und wir nahmen diese auch mit, denn es stand uns noch eine weite Reise bevor.
Im Rio Zanatepec sahen wir ebenfalls vereinzelte A. macracanthus.

Am nächsten Tag wurde alles verpackt, zudem nahmen wir mehr als 60 Liter Wasser miz vom Rio Ajal für den Wasserwechsel und fuhren nach Veracruz am Golf von Mexiko. In den Dodge hätte nichts mehr reingepasst, ein Fahrzeug mit mehr als fünf Metern Gesamtlänge und einer Höhe von fast zwei Meter war mit drei Aquarianern und deren Gepäck vollends beladen.
Von Veracruz aus folgte am vierten April die endgültige Abreise. Zwei Stunden verpacken und danach vier Stunden Fahrt nach Mexiko Stadt.

Auf dieser Reise fingen wir wir über 20 Cichlidenarten, nahmen 16 davon mit nach Deutschland (insgesamt weit über 1000 Fische!!!), sahen weitere 7 Arten in ihren Biotopen und vermissten nur vier Arten (P. managuensis, P. friedrichsthalii, V. argentea, „C.“ pearsei).

Rund drei Monate später stellte sich daheim noch eine Überraschung ein. Wir stellten nicht nur fest, dass wir keine P. bulleri erwischten, wir merkten ebenfalls, dass im Rio Zanatepec zwei verschiedene Vieja-Arten sympatrisch miteinander vorkommen! Aus dem einen Teil der Jungtiere entwickelten sich echte V. zonata, erkennbar an der leichten schwarzen Bänderung im Jungfischstadium und später charakterisiert durch einen schwarzen Keil. Die andere Art war wiederum V. spec. „Coatzacoalcos“, damit hatten wir von dieser Art endgültig fast 200 Tiere aus 4 verschiedenen Habitaten. Das Interessante dabei ist, dass die Art inzwischen auch auf der Pazifikseite beheimatet ist, was mit Sicherheit vor rund 20 Jahren noch nicht der Fall war. Dies erklärt, warum mehrere Aquarianer Viejas von der Pazifikseite mitbrachten, welche sich dann letztendlich doch nicht als V. zonata erwiesen. Ob die Verbreitung von der Atlantik- zur Pazifikseite hin durch menschliches Eingreifen oder durch Naturkatastrophen erfolgte, sei dahingestellt, jedenfalls kommen sie auf beiden Seiten vor.
Es wird berichtet, dass A. trimaculatus mittlerweile nicht nur auf der Pazifikseite, sondern zusätzlich auch auf der Atlantikseite anzutreffen ist. Auch hier fehlen uns die Gründe.


Literaturhinweise:
P. Buchhauser: „Cichlidenbiotope in Südmexiko“, DCG-Informationen 2000/21
H. J. Mayland: Cichliden, Landbuch Verlag, 1995
R. Stawikowski/U. Werner: Die Buntbarsche Amerikas, Ulmer Verlag, 1998